An die Klöpplerinnen

Die Arbeit „An die Klöpplerinnen“ verweist auf das Verhältnis zwischen der Klöppelhändlerin Anna Kristina Iwersen und ihren heute namentlich nicht bekannten Handwerkerinnen, den herstellenden Klöpplerinnen.

Die Klöpplerinnen waren als Subunternehmer für die Klöppelhändlerin Frau Iwersen tätig. Nachdem die Klöpplerinnen von Frau Iwersen ausgesucht wurden, wurden die Klöpplerinnen angelernt, die Muster zu klöppeln. Die Klöpplerinnen erhielten die Aufträge von Frau Iwersen. Sie erhielten den Klöppelbrief, die Mustervorlage zum Klöppeln, die von Frau Iwersen zeichnerisch entworfen wurde. Nach der Vorlage des Klöppelbriefs klöppelten die Klöpplerinnen die Klöppelware und setzen die gestalterischen Ideen der Frau Iwersen um und gaben diesen eine Form. Anschließend wurden die Arbeiten der Klöpplerinnen durch Frau Iwersen abgekauft, soweit sie im Rahmen einer Qualitätskontrolle für gut erachtet wurden. Die Klöpplerinnen waren – wahrscheinlich – ausschließlich Frauen. Im Jahr 1836/37 klöppeltet 359 Klöpplerinnen für Anna Kristine Iwersen.

Der Titel beleuchtet die Wortbedeutung des Klöppelbriefs, der die Mustervorlage zum Klöppeln darstellte. Er wurde von Frau Iwersen entworfen, künstlerisch gestaltet, mathematisch konstruiert und von ihr an die Klöpplerinnen weitergegeben.

Die skulpturale Form der Prägedrucke thematisiert die Anonymität der Klöpplerinnen: Erst durch ihre handwerklichen Fähigkeiten wurden die Formideen der Frau Iwersen umgesetzt. Zudem repräsentieren die Prägedrucke einen Ausschnitt derjenigen von unbekannten Klöpplerinnen umgesetzten Klöppelmustern, die von Anna Kristine Iwersen erfunden wurden und sich heute u.a. im Museumsberg in Flensburg befinden. Die Prägedrucke zeigen subjektive Zitate oder Vergrößerungen von Verkreuzungen, Verknüpfungen oder Verschlingungen. Sie sind ein poetischer Kommentar aus zeitgenössischer Perspektive zu den gestalterischen Fähigkeiten der Frau Iwersen und den handwerklichen Fähigkeiten der Klöpplerinnen. Die Prägedrucke stellen zudem ein haptisches Archiv der skulpturalen Spitzen-Muster der Frau Iwersen dar und verweist auf die Anonymität der formgebenden Handwerkerinnen hinter ihren Mustern.

The work “For the Lace-Makers” refers to the relationship between the lace dealer Ms. Anna Kristina Iwersen and her craftswomen not known by their names today, her lace-makers.

The lace-makers worked as subcontractors for Iwersen. After she had sought and selected her lace-makers, they were trained to make the patterns. The lace-makers received orders from Iwersen. They received the pattern template for the lacemaking, which had been designed by Iwersen herself. Based on the pattern of the template, the lace-makers made the lace and implemented Iwersen's creative ideas and gave them form. Subsequently, the work of the lacemakers was bought by Iwersen, as far as they were considered good in the context of a quality control. The lace-makers were - probably - exclusively women. In 1836/37, 359 lace-makers made lace for Anna Kristine Iwersen.

The title highlights the meaning of the word of the lace pattern, which was the template for lacemaking. It was conceived, artistically designed, mathematically constructed by Iwersen and given to the lace-makers.

The sculptural form of the embossed prints thematises the anonymity of the lace-makers: Iwersen's ideas for form were only implemented through their technical skills. Furthermore, the embossed prints represent an excerpt from bobbin patterns made by unknown lace-makers, which were invented by Anna Kristine Iwersen and which today are exhibited in the Museumsberg in Flensburg, among other sites. The embossed prints show subjective quotations or enlargements of crossings, links, or interweaving. They are a poetic commentary from a contemporary perspective on the creative skills of Iwersen and the technical skills of the lace-makers. The embossed prints also represent a haptic archive of Iwersen’s sculptural lace patterns and refer to the anonymity of the craftswomen behind her patterns.

Foto: Helmut Kunde/ photo: Helmut Kunde