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Die Stadt Jingdezhen wirkt auf den Besucher wie eine einzige große Manufaktur, in der jeder eine Rolle spielt, sei es im Einmann- oder Einfraubetrieb, im Familienunternehmen oder in größeren Organisationen. Diese wirtschaftlich partizipierenden Akteure hängen voneinander ab: Der solo-selbständige Transporteur trägt die geformten und glasierten Gefäße zu einem öffentlichen Ofen. Der Brennmeister brennt die Keramik. Der Verpackungsverkäufer liefert der Keramikmanufaktur passendes Verpackungsmaterial. Für jeden Schritt in den keramischen Prozessen gibt es mindestens einen Akteur, meist ein spezialisierter Kleinbetrieb.

Schaut der kulturschaffende Besucher mit europäischer Prägung auf diese Wertschöpfungskette, ist er fasziniert von der Vielfalt der spezialisierten Fertigkeiten. Gleichzeitig ist er irritiert von der Uniformität der Produkte, die aus dieser Struktur hervorgeht. Produkte aus Jingdezhen sind weltweit bekannt. Die Menschen in der Produktionslinie sind es nicht, sie sind namenlos.

Wo der fremde Blick Fabriken und Maschinen vermutet, findet der Besucher vor Ort unzählige Menschen, die mit ihren verschiedenen Fertigkeiten in Kleinbetrieben organisiert diese Massenproduktion bewerkstelligen.

Ich habe meinen Forschungsaufenthalt in Jingdezhen 2019 dazu genutzt die Zulieferer der Keramikindustrie mit ihren Läden, Betrieben und Familien zu dokumentieren. Mich faszinierte die Vielfalt der Tätigkeiten verbunden mit der Vielfalt der Menschen. Ich will die „Gesichter“ hinter den einzelnen Prozessen zeigen.

Entstanden sind eine Buchpublikation und eine fotografische Installation.Die Menschen sind in der Reihenfolge der keramischen Prozesse geordnet. In der Reihenfolge, in der man Sie aufsuchen würde, will man als Künstler oder Künstlerin ein keramisches Projekt durchführen. Sie sind mit ihrem „Job“, ihrer „Rolle“ in der Produktionslinie und ihrem Namen präsentiert. Der Name gibt ihnen Ihre Identität in der Manufaktur Jingdezhen und nimmt Ihnen die Anonymität in einer Megastadt, die jährlich mehrere Millionen von keramischen Gefäßen produziert und exportiert.

Das Projekt trägt dazu bei, die Akteure sichtbar zu machen. Sie sind nicht mehr ungesehen.

The city of Jingdezhen to the visitor looks like a single large factory in which everyone plays a role, be it in a one-man or one-woman business, in a family business or in larger organisations. These economic actors depend on one another: the solo self-employed transporter carries the moulded and glazed vessels to a public oven. The master fires the ceramics. The packaging seller supplies the manufacturer with suitable packaging material. For each step in the ceramic process there is at least one actor, usually a specialised small company.

If a creative visitor with a European perspective looks at this value chain, s/he is fascinated by the variety of specialised skills. At the same time, s/he is irritated by the uniformity of the products resulting from this structure. Jingdezhen products are known worldwide. The people on the production line however are not, they are nameless.

Where the unfamiliar view suspects factories and machines, the visitor finds countless people on site who, with their various skills, manage this mass production organized in small businesses. I used my research stay in Jingdezhen in 2019 to document the suppliers of the ceramics industry with their shops, businesses, and families. I was fascinated by the diversity of activities combined with the diversity of people. I wanted to show the “faces” behind the individual processes.

The result is a book publication and a photographic installation. The people are arranged in the order of the ceramic processes. As an artist, I wanted to carry out a ceramic project in the order in which they would be visited. They are presented with their “jobs”, their “roles” in the production line and their names. The name gives them an identity in the Jingdezhen factory and takes away their anonymity in the megacity that produces and exports several million ceramic vessels every year.

The project helps to make the actors visible. They are no longer unseen.

Fotos: Helmut Kunde, Lena Kaapke/ photos: Helmut Kunde, Lena Kaapke