die Weber

Die Lochkarte wurde von Joseph-Marie Jacquard zur Steuerung des gleichnamigen Webstuhls im Jahre 1805 entwickelt. Eine Lochkarte ist ein Speichermedium, das aus einem Pappkarton besteht, in den Löcher gestanzt sind. Diese Löcher stellen eine Art Code dar. Kein Loch bedeutet keine Veränderung des vorhandenen Zustandes; ein Loch in der Lochkarte führt zur Veränderung der Maschinenfunktion. Das bedeutet für den Webstuhl: Trifft die Nadel auf den Pappkarton, folgt eine Fadenhebung, trifft sie auf ein Loch, folgt eine Fadensenkung und der Webstoff wird durchstochen. Das Muster meiner Lochkartenreihe repräsentiert den Text des naturalistischen Dramas „Die Weber" von Gerhardt Hauptmann. Es beschreibt als erstes Theaterstück eine ganze Bevölkerungsschicht, die Weber. Hauptmann thematisiert in seinem Drama, die schlesischen Weberaufstände von 1844, die erstmals eine Öffentlichkeit erreichten und somit erstmals die soziale Frage aufwarfen. Jede Lochkarte entspricht dabei einer Doppelseite des Dramas. Ein Loch bedeutet eine Veränderung, folglich steht es in meiner Arbeit für die Worte, die in Hauptmanns Text die Handlungen der Weber beschreiben, da ihr Handeln während der Weberaufstände zur Veränderung der sozialen Bedingungen führte. So zeigen die Lochkarten mit ihrem Muster aus Löchern und keinen Löchern die Struktur, das Muster des Dramas und stellen wie das Drama selbst ein Schauspiel dar. Somit verweist die Arbeit sowohl auf die Herkunft der Lochkarte als mechanisches Speichermedium, das erstmalig im Handwerk für den Webstuhl benutzt wurde und zum anderen auf die Bedeutung der Handlungen der Weber in den Weberaufständen. Diese Bedeutung wird durch die Wahl des Mediums der Lochkarte, als historisch erster Datenträger, für die Darstellung dieser historischen Begebenheit unterstrichen. Verfolgt man die in heutigen Großkonzernen angebotene Kleidung und guckt sich die Textilproduktion in Fabriken wie z.B. Bangladesch an, stellt man fest, dass die Ursachen der Weberaufstände, der Kampf um gute soziale Bedingungen in der Textilbranche auch heute noch aktuell sind.

The perforated card was developed by Joseph-Marie Jacquard in 1805 to control the loom of the same name. A perforated card is a mechanical memory card made of paper into which holes has been punched. These holes represent a sort of code. No perforation means no change in the current status; a hole in the card leads to changes in the machine's function. This means for the loom: if the needle hits the card, the thread is raised, if it hits a hole, the thread is lowered, and the woven fabric is pierced. The pattern of my punched cards series represents the text of the naturalistic drama "The Weavers" by Gerhardt Hauptmann. It was the first play to describe whole population layer, the weavers. In the drama Hauptmann addresses the Silesian Weber Uprisings of 1844, which reached the public sphere for the first time and thus raised social questions for the first time. Each punch card corresponds to a double page of the play. A hole means a change, so in my work it is the words which describe the actions of the weavers in Hauptmann's text, because their actions during the weavers" revolts led to a change in social conditions. Thus, the punch cards, with their pattern of holes and no holes, show the structure, the pattern of the drama and, like the drama itself, a spectacle. Thus, the work refers both to the origin of the punched card as a mechanical storage medium, which was used firstly used in craftsmanship for the loom, and secondly to the importance of the actions of the weavers in the weavers' revolts. This meaning is underlined by the choice of the medium of the punched card, historically as the first data carrier, for the representation of this historical event. If one follows the clothes offered in today's large corporations and sees the textile production in factories in e.g. Bangladesh, one finds that the causes of the weavers' revolts, the fight for good social conditions in the textile branch are still current today.